Ausbildung, Betriebsübernahme, Genossenschaftsgründung
Wege in die Zukunft
Drei Gespräche, drei unterschiedliche Wege. Und doch ein gemeinsames Ziel: die Zukunft des Backhandwerks aktiv zu gestalten. Andreas Schmitt spricht über Führung und Verantwortung, Sebastian Brücklmaier über die Realität einer Betriebsübernahme und Jana Klausberger über die Genossenschaft als Antwort auf fehlende Nachfolge. Drei Perspektiven, die zeigen, wie vielfältig die Lösungen für die Herausforderungen der Branche sein können.
Die Herausforderungen im backenden Handwerk sind bekannt. Von der Nachfolgefrage über steigende Komplexität im Betrieb bis hin zu neuen Anforderungen an Führung und Organisation. Doch wie sehen konkrete Lösungen in der Praxis aus? Drei neue BROTTalk-Episoden liefern darauf keine theoretischen Antworten, sondern persönliche Einblicke von Unternehmerinnen und Unternehmern, die mitten in diesen Prozessen stehen und sie aktiv gestalten.
Andreas Schmitt steht wie kaum ein anderer für die Verbindung von unternehmerischer Praxis, Verbandsarbeit und Nachwuchsförderung. Nach Jahren in der internationalen Unternehmensberatung übernahm er die elterliche Bäckerei in Neu-Isenburg. Daneben engagierte er sich immer auch im Ehrenamt und kümmert sich im Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks inzwischen um das Thema Ausbildung.
Tradition als Aufgabe
Genau diese Vielschichtigkeit prägt auch das Gespräch mit Sara Di Napoli vom Deutschen Brotinstitut und Sebastian Marquardt von BROTpro. Wie führt man einen Betrieb heute so, dass Tradition nicht zum Hemmschuh wird, sondern zur tragfähigen Grundlage für Weiterentwicklung? Schmitt beschreibt sehr klar, warum Führung im Handwerk mehr denn je Orientierung geben muss – nach innen wie nach außen.

Sebastian Brücklmaier gibt ungewöhnlich offene Einblicke in eine Betriebsübernahme
Besonders eindrücklich ist sein Blick auf die Ausbildung als strategischer Kern jeder zukunftsfähigen Bäckerei. Dabei wird deutlich, dass Nachwuchsgewinnung nicht isoliert gedacht werden kann, sondern eng mit Unternehmenskultur, Kommunikation und Selbstverständnis verbunden ist. Schmitt plädiert für mehr Klarheit, mehr Sichtbarkeit und vor allem für den Mut, das eigene Handeln konsequent an einem größeren Ziel auszurichten.
Münchener Bäckerbeben
Ein großes Ziel nahm auch Sebastian Brücklmaier ins Visier, als er den größeren Traditionsbetrieb Traublinger übernahm. Vom „Bäckerbeben“ schrieb die lokale Boulevardpresse, als die Münchener Traditionsunternehmen zusammengingen. Brücklmaier liefert in dieser BROTTalk-Folge einen selten offenen Einblick in die Realität einer Betriebsübernahme im Bäckereihandwerk.
Dabei bricht er mit vielen gängigen Vorstellungen. Im Zentrum steht nicht die Schlagzeile, sondern der Prozess: von ersten Gesprächen über komplexe Vertragsstrukturen bis hin zur Finanzierung, die weit mehr ist als ein Banktermin. Deutlich wird, wie viel Zeit, Energie und Detailarbeit hinter einer solchen Entscheidung stehen. Und wie stark externe Faktoren wie Markt, Politik und Finanzierungsklima hineinwirken.

Andreas Schmitt liefert interessante Ansätze zum Thema Ausbildung
Besonders spannend ist die Perspektive der Zusammenführung zweier gesunder Betriebe. Statt eines klassischen Sanierungsfalls geht es hier um Integration auf Augenhöhe mit allen psychologischen, organisatorischen und kulturellen Herausforderungen. Brücklmaier beschreibt eindrücklich, warum die ersten Fortschritte schnell sichtbar sind, die eigentliche Arbeit aber erst danach beginnt: in den letzten 20 Prozent, in denen Systeme, Prozesse und vor allem Menschen zusammenwachsen müssen. Zukunftssicherung heißt für Sebastian Brücklmaier: „Sei der Wandel, den du dir wünschst.“
Genossenschaft als Weg
Jana Klausberger zeigt im BROTTalk einen ganz anderen Ansatz, der für viele Betriebe zum entscheidenden Zukunftsmodell werden könnte: die Umwandlung einer Familienbäckerei in eine Genossenschaft. Statt die Nachfolge an eine einzelne Person zu knüpfen, wird Verantwortung bewusst auf mehrere Schultern verteilt. Damit entsteht nicht nur eine neue Eigentümerstruktur, sondern auch ein verändertes Selbstverständnis im Betrieb. Eines, das wiederum jede Menge Herausforderungen mit sich bringt.
Gerade vor dem Hintergrund zahlreicher Betriebsschließungen mangels Nachfolge gewinnt dieses Modell dennoch an Relevanz. Klausberger macht deutlich, dass es nicht nur um eine juristische Konstruktion geht, sondern um eine kulturelle Veränderung: mehr Beteiligung, mehr Identifikation und eine neue Form von unternehmerischem Denken im Team. Die Genossenschaft wird so zu einem möglichen Weg, Handwerksbetriebe langfristig zu jenseits klassischer Übergabemodelle zu sichern.
Ob Führung, Übernahme oder Genossenschaft – die drei Gespräche machen deutlich, dass es nicht die eine Lösung für die Zukunft des Bäckereihandwerks gibt. Entscheidend ist vielmehr die Bereitschaft, neue Wege zu denken, Verantwortung neu zu verteilen und bestehende Strukturen immer wieder zu hinterfragen. Die Beispiele zeigen, dass Zukunftssicherung kein abstraktes Konzept ist, sondern das Ergebnis konkreter Entscheidungen. Und des Mutes, sie auch umzusetzen.
BROTTalk
Der BROTTalk ist ein gemeinsames Podcast-Format von BROTpro und dem Deutschen Brotinstitut. Moderiert wird er von Sara Di Napoli, Direktorin des Instituts, und Sebastian Marquardt, Chefredakteur von BROTpro. Gemeinsam sprechen sie mit Gästen aus dem Bäckereihandwerk und angrenzenden Bereichen – mit Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben und bereit sind, Einblicke zu geben.
Im Mittelpunkt stehen ehrliche Gespräche über unternehmerische Entscheidungen, Herausforderungen im Alltag und neue Denkansätze für die Branche. Dabei geht es nicht um theoretische Modelle, sondern um Erfahrungen aus der Praxis, Best Practices und Perspektiven, die inspirieren und zum Weiterdenken anregen.
Neue Folgen erscheinen jeweils am ersten Dienstag im Monat auf YouTube sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen.