Was der Rückzug des Bargelds für Betriebe bedeutet
Der Preis des Geldes
2025 wurde in Deutschland erstmals häufiger bargeldlos als bar bezahlt. Für Bäckereien hat das handfeste Vorteile: weniger Zählzeit, weniger Wechselgeld, klarere Abrechnung. Doch während die Infrastruktur für Bargeld schrumpft, arbeiten Schweden und Norwegen gesetzlich wieder in die entgegengesetzte Richtung. Der Grund dafür ist nicht Nostalgie, sondern Krisenfestigkeit.
Im Jahr 2025 ist in Deutschland eine Schwelle überschritten worden. Erstmals wurden mehr Alltagszahlungen bargeldlos abgewickelt als mit Scheinen und Münzen. Die Bundesbank beziffert den Anteil der bargeldlosen Zahlungen auf 55 Prozent. Zwei Jahre zuvor lag der Bargeldanteil noch bei 51 Prozent. An der Ladenkasse selbst bleibt Bargeld zwar das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel. Die Richtung ist aber eindeutig, und sie hält seit Jahren an.
Für Bäckereien hat diese Entwicklung eine angenehme Seite. Kartenzahlung spart Zählzeit am Feierabend, macht das Bereithalten von Wechselgeld einfacher und verringert die Menge an Bargeld im Laden. Wer mehrere Filialen betreibt, spart Wege zur Bank und Kosten für den Werttransport. Und Kundinnen und Kunden, die kein Bargeld dabeihaben, kaufen trotzdem. Nicht zuletzt berichten viele Unternehmen von einem höheren Durchschnittsbon bei Kartenzahlung.
Unübersichtliche Kostenrechnung
Bei den Kosten wird es allerdings kompliziert. Eine Untersuchung der Bundesbank aus dem Jahr 2025 hat die monetären wie nicht monetären Kosten verschiedener Zahlungsmittel im Einzelhandel verglichen. Das Ergebnis fällt je nach Blickwinkel unterschiedlich aus. Je Zahlungsvorgang ist Bargeld mit durchschnittlich 43 Cent am günstigsten. Im Verhältnis zum Umsatz schneidet die Girocard mit rund 1 Prozent am besten ab. Debit- und Kreditkarten internationaler Anbieter sind in beiden Betrachtungen teurer.
Für das Backhandwerk ist der erste Wert der wichtigere. Wo der durchschnittliche Bon bei wenigen Euro liegt, schlägt jede feste Gebühr je Transaktion stärker durch als ein prozentualer Anteil am Umsatz. Hinzu kommt ein Größeneffekt: Kleinere Händler zahlen je Zahlung deutlich mehr als große, weil ihnen die Verhandlungsmacht gegenüber den Zahlungsdienstleistern fehlt. Ein Blick in den Akzeptanzvertrag lohnt sich deshalb. Zwischen der Girocard und den Debitkarten internationaler Anbieter liegen je Zahlung rund zehn Cent Unterschied.

Feste Gebühren je Zahlung wiegen bei kleinen Bons besonders schwer
Bargeld-Netz wird dünner
Gleichzeitig verändert sich die Versorgungslage mit Bargeld. Ende 2023 wies die Bundesbank noch rund 51.300 Geldautomaten aus, Ende 2025 waren es etwa 48.000. Das Filialnetz schrumpft schneller: Allein im Jahr 2025 sank die Zahl der inländischen Zweigstellen von 17.870 auf 16.799, ein Rückgang um 6 Prozent.
Die Bundesbank hält den Zugang zu Bargeld weiterhin für gesichert, nennt ihn aber aufwändiger. Auf dem Land erreichen 90,3 Prozent der Bevölkerung einen Geldautomaten oder Bankschalter im Umkreis von 5 Kilometern, in den Städten sind es 98,1 Prozent. Für Betriebe hat der Rückbau zwei Folgen: Das Einzahlen der Tageseinnahmen kostet mehr Zeit und Geld, und die Kundschaft hat seltener Bargeld in der Tasche. Beides verstärkt sich gegenseitig.
Blick nach Skandinavien
Wer für ein Ende des Bargelds argumentiert, verweist gern auf Schweden. Dort bezahlten 2025 nur noch 5 Prozent der Befragten ihren letzten Einkauf im Laden bar, Karten und Bezahl-Apps kamen zusammen auf rund 92 Prozent. Der Verweis führt inzwischen allerdings in die andere Richtung. Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Schweden eine gesetzliche Annahmepflicht: Lebensmittelgeschäfte und Apotheken mit besetzter Kasse müssen Bargeld akzeptieren, unabhängig von der Betriebsgröße.
Norwegen war früher dran. Dort gilt seit Oktober 2024 ein gestärktes Recht auf Barzahlung, seit Mai 2025 drohen bei Verstößen Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes. Die schwedische Zentralbank empfahl im März 2026 zudem, je erwachsener Person mindestens 1.000 Kronen (rund 90 Euro) in bar zu Hause zu halten. Der Grund ist nicht Nostalgie. Im Frühjahr 2025 waren der Identitätsdienst BankID und der Bezahldienst Swish mehrfach durch Angriffe gestört, und die Zentralbank verweist auf die veränderte Sicherheitslage. Hybride Angriffe aus dem Ausland könnten öfter für Störungen und Ausfälle sorgen.
Ein Comeback des Bargelds ist das nicht. Gastronomie, Cafés und der Nahverkehr dürfen Barzahlung in Schweden weiterhin ablehnen, und einzelne Händler haben bereits angekündigt, sich nicht an die neue Pflicht zu halten. Aber das Beispiel zeigt, wie schwer der Wiederaufbau ist, wenn eine Infrastruktur erst einmal verschwunden ist.

Zwischen Ende 2023 und Ende 2025 verschwanden mehrere Tausend Geldautomaten, Banken dünnen ihre Filialnetze aus
Was daraus für die Theke folgt
Das sogenannte Single-Currency-Package der Europäischen Union soll Bargeld verbindlich als gesetzliches Zahlungsmittel definieren und mit einer Annahmepflicht verbinden. Pauschale Schilder, die Barzahlung ausschließen, wären damit unzulässig. Das Europäische Parlament hat seine Position im Juni 2026 festgelegt, seit Juli 2026 laufen die Verhandlungen mit Rat und Kommission.
Praktisch läuft alles auf ein Nebeneinander hinaus. Kartenzahlung entlastet den Betrieb und entspricht dem Verhalten eines wachsenden Teils der Kundschaft. Bargeld bleibt der Rückfallweg, wenn Strom, Netz oder Zahlungsdienstleister ausfallen, und es ist je Bon oft das günstigere Verfahren. Ein Kartenterminal kann Ausfälle nur für begrenzte Zeit überbrücken. Wer beide Wege offenhält, eine Wechselgeldreserve vorhält und seine Akzeptanzgebühren regelmäßig prüft, ist in beiden Szenarien handlungsfähig.
Der Anschnitt
2025 wurde in Deutschland erstmals mehrheitlich bargeldlos bezahlt, an der Ladenkasse bleibt Bargeld aber das häufigste Zahlungsmittel
• Je Zahlungsvorgang ist Bargeld mit 43 Cent das günstigste Verfahren, im Verhältnis zum Umsatz liegt die Girocard vorn; internationale Karten sind in beiden Rechnungen teurer
• Kleine Betriebe zahlen je Transaktion deutlich mehr als große Ketten, ein Blick in den Akzeptanzvertrag lohnt sich
• Geldautomaten und Bankfilialen werden weniger, das Einzahlen der Tageseinnahmen wird aufwändiger
• Schweden und Norwegen haben Annahmepflichten für Bargeld eingeführt, die Europäische Union verhandelt derzeit über eine eigene Regelung
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Fotos:
Dragana Gordic
H_Ko
KI-generiert